Autor: sinkothekar

  • Osterfestspiele

    Dieses Osterfest darf verschwinden Eines abends versichert uns eine offenkundig tief gekränkte Generalsekretärin via Fernsehen, die Salzburger Osterfestspiele müßten ja nicht unbedingt weiterbestehen, wenn Gerard Mortier so unnett zu dessen Programmgestaltern sei. Anderntags folgen eilig politische Beteuerungen, es müsse alles bleiben, wie es ist. Die Osterfestspiele seien nämlich „unverzichtbar“. Das scheint mir symptomatisch für die…

  • Janowitz‘ Comeback

    Jetzt singt sie wieder Gundula Janowitz über ihr Comeback als Lied-Interpretin Ich übe jeden Tag. Und zwei bis drei Mal im Monat singe ich jetzt wieder“, sagt Gundula Janowitz, die große Sopranistin, die vor einigen Jahren beinahe über Nacht beschlossen hat, nicht mehr aufzutreten. In der Zwischenzeit war sie Operndirektorin in Graz, hat aber angesichts…

  • Messiaens Oper

    Was kann der Franz dafür, daß er so schön ist? Die Salzburger Festspiele feierten mit Messiaens Heiligenoper einen vorhersehbaren Triumph Manchmal sagt die Tatsache, daß nach einer Premiere ausgiebig gejubelt worden ist, rein gar nicht über deren künstlerische Qualität aus. Auch, daß es Buhrufe für den Regisseur gab, fällt nicht wirklich ins Gewicht. Was auch…

  • John Cage

    Die Stille zwischen Joyce und Duchamp Zum Tod des amerikanischen Avantgarde-Komponisten John Cage Die Parabel vom Sinn, der unsinniger nicht sein kann: Daß Stille Musik ist, daß Harmonie anarchisch sein kann, daß es auf eins herauskommt, ob ein Komponist seine Werke mit mathematischer Akribie konstruiert oder einfach Tennisbälle ins offene Klavier wirft (nicht, weil es…

  • Friedrich Cerha

    „Ich bin ein anderer geworden“ Der Komponist Friedrich Cerha spricht über sein Schaffen Ich bin ein anderer geworden“, sagt Friedrich Cerha. Monatelang war er im Spital gelegen, sehr, sehr krank, am Rande des Todes. So radikal hätte er seinen Grundsatz wahrlich nicht in die Tat umsetzen wollen, daß nämlich die stetige Veränderung eine Bedingung für…

  • Fedosejew in Bregenz

    Ganz einfach phänomenal Fedosejews Bregenzer Festspielkonzert mit den Symphonikern Zu welchen Höhen sich die Wiener Symphoniker unter einem Dirigenten wie Wladimir Fedosejew aufschwingen können, weiß man spätestens seit den atemberaubenden „Bildern einer Ausstellung“ im Wiener Musikverein vor einigen Monaten. Jetzt hat sich das überwältigende Ereignis an Symphonien Mahlers und Schostakowitschs im Bregenzer Festspielhaus wiederholt. Getrübt…

  • Strauss in Salzburg

    Marjana Lipovsek und ein Klangerlebnis der Spitzenklasse Richard Strauss‘ „Frau ohne Schatten“ unter Sir Georg Solti bei den Salzburger Festspielen Die Salzburger „Frau ohne Schatten“ segelt nach wie vor unter falscher Flagge: Wie schon bei der Premiere der Götz-Friedrich-Inszenierung sollte die Strauss-Oper auch diesmal viel eher nach der Amme benannt werden. Marjana Lipovsek macht den…

  • Erich Urbanner

    Lieber komponieren als Mozart dirigieren Erich Urbanner über die Situation des Musikschaffenden heute Ich kann nicht, wie manche Kollegen, am Fließband schreiben, um eine Uraufführung nach der anderen herauszubringen, obwohl das vielleicht gar nicht so schwer wäre, weil man dann sozusagen in eine Eurphorie hineinkommt und wirklich am laufenden Band produzieren kann. Ich ziehe eher…

  • Carreras

    Der Dritte im Bunde Jetzt sang auch José Carreras vor Tausenden – in Schönbrunn Nachdem er mit seinen beiden Konkurrenten bereits gemeinsam an einem Monsterspektakel vor unzähligen Opernfreunden unter freiem Himmel mitgewirkt hatte, mußte Jos’e Carreras – ganz wie Domingo und Pavarotti – auch einen entsprechenden Soloabend in Wien absolvieren. Vor Schloß Schönbrunn haben die…

  • Janacek in Salzburg

    Sibirien, wo Ferien noch Ferien sind Statt Janaek zu spielen, umgaukelt Salzburg Aug‘ und Ohr Dem nächsten, der mir sagt, zu Karajans Zeiten hätte man bei den Salzburger Festspielen nur oberflächlich polierte Staffage serviert, jetzt aber, unter G’erard Mortiers Fittichen, werde man zu den tiefgründigen Wahrheiten in der Kunst vordringen, verordne ich einen Zwangsbesuch von…

  • Henzes „Prinz“

    Fesch, der Prinz von Homburg Sawallisch verabschiedet sich mit einer Henze-Oper von München Viele, für einen Opernchef ungewöhnlich viele Jahre lang hat Wolfgang Sawallisch die Geschik ke des Münchner Nationaltheaters gelenkt. Jetzt verabschiedet sich der geborene Kapellmeister von seinem Haus, um mit dem Philadelphia Orchestra einen der fashionablesten amerikanischen Klangkörper zu übernehmen. Um die Seltsamkeiten…

  • Elena Zaremba

    Wunder einer Zweitbesetzung Eine Bregenzer „Carmen“ für die Welt 24 Aufführungen haben die Bregenzer Festspiele heuer von ihrer spektakulären Carmen-Produktion angesetzt. Für die Titelrolle sind daher nicht weniger als vier Sängerinnen vorgesehen. Wer da glaubt, nur die sogenannte Erstbesetzung sei künstlerisch tragbar, der irrt. Den Namen Elena Zaremba zum Beispiel merkt sich, wer ihn hier…

  • Carmen in Bregenz

    Akrobat noch immer schön Savary’s spektakuläre „Carmen“ wieder in Bregenz auf dem See Es ist nach wie vor ein Fest für die Augen und kein psychologisierendes Seelentheater – J’erome Savary hat gelernt mit Riesendimensionen wie die der Bregenzer Seebühne umzugehen, sie wirklich souverän für bewegtes Theater zu nutzen. Seine „Carmen“-Inszenierung, im zweiten Jahr gottlob einiger…

  • Fausts Verdammnis

    Der Triumph des ganz Bunten und des ganz Leisen „Faust Verdammnis“ geriet in Bregenz bei Kupfer und Fedosejew zur „Berliozomania“ Uninszenierbar. So lautete gewiß das Urteil, das am häufigsten über Hector Berlioz‘ bizarre Vertonung des Faust-Stoffes gefällt worden ist. Denkt man sich Musiktheater als ordnungsgemäß ablaufendes szenisches Handlungs-Spektakel, dann trifft es zweifellos zu. Nimmt man…

  • Oper im Sommer

    „Wir können auch im Sommer spielen“ Direktor Ioan Holender über seine langfristigen Opernperspektiven am Ring, Gürtel und an der Wien Der verständliche Wunsch des Wiener Bürgermeisters, die Staatsoper wenigstens einige Wochen auch im Juli zu bespielen, die aktuelle Frage, für welche Opern und an wievielen Abenden die Staatsoper das Theater an der Wien nützen könnte,…