Autor: sinkothekar

  • Schreker und seine Zeit

    Die verzweifelte Suche nach dem fernen Klang Verschollene Opern. Die neue Grazer Intendantin wählte zum Einstand ein Stück von Franz Schreker, das schon oft aus den Archiven geholt wurde, um rasch wieder vergessen zu werden. Wer könnte neben Puccini und Strauss bestehen? Der ferne Klang“ von Franz Schreker eröffnet die neue Ära an der Grazer…

  • Sitzordnung

    Wo haben die Geigen ihren richtigen Platz? Im jüngsten Philharmonischen unter Bychkov flankierten die Violinen das Dirigentenpult. Setzt sich wieder die „alte Ordnung“ durch? Hatten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beinahe überall auf den Konzertpodien die tiefen Streicher rechts, die Violinen links vom Dirigenten Platz genommen, sieht man nun wieder verstärkt, was für…

  • Marseillais und Kaiserlied

    Völker, hört die Signale: Agitation nach Noten Hymnen und Revolutionslieder. Auch unter Melodien sind manche gleicher als gleich: Die „Internationale“ mag populär sein, die „Marseillaise“ ist es noch viel mehr. Wie Europas Nationen auch um Musik gerungen haben. Das war sicher nicht beabsichtigt: Die Musiker des Salzburger „Jedermann“-Ensembles haben dem Obmann der FPÖ jüngst eine…

  • Elitär? Bitte ja!

    Die Salzburger Festspiele dürfen, ja müssen elitär und exklusiv sein Das teuerste Festival der Welt darf sich nicht mit Allerweltsprogrammatik rechtfertigen. Die Maximierung des Kartenangebots hat ihm geschadet. Die Salzburger Festspiele gehen in die Schlussrunde. Die großen Premieren sind vorbei. Und via Agentur werden bereits erste bilanzähnliche Gedanken heimischer Politiker getickert. So weiß etwa der…

  • Antiken-Opern

    Ganz schön alt schauen sie aus, die griechischen Helden Einst wimmelte es in der Oper nur so vor mythologischem Personal. Salzburg spielt die >Iphigenie<. Sonst schert man sich aber kaum um ihresgleichen. @LR von Wilhelm Sinkovicz Mythologische Gestalten gehören zu den bevorzugten Opernhelden. Nicht erst bei Richard Wagner. Der Bayreuther transferierte ja lediglich eine viel ältere…

  • Lorenzo Viotti

    Ein Talent, vielleicht bald ein Star Young Conductors. Lorenzo Viotti (25) demonstrierte beim Dirigentenwettbewerb der Salzburger Festspiele, was wirkliche kapellmeisterische Begabung ist. Er gewann haushoch. Wer den jungen Mann von seiner Studienzeit – in der Dirigentenklasse von Georg Mark am Konservatorium – kennt, wusste: Wenn dieser Lorenzo Viotti heuer nicht den Sieg davontragen würde, dann…

  • Nitsch an der Oper

    Massenets „Herodiade“ Was als sicherer Skandal galt, entpuppt sich als Sensationserfolg: Das Wiener Publikum bejubelte das Staatsopern-Debüt des Aktionskünstlers Hermann Nitsch. Der hatte sich zwar „Parsifal“ gewünscht, war aber letztendlich auch mit Massenets Salome-Oper zufrieden. Nancy Gustafson, Agnes Baltsa und Placido Domingo sangen, Marcello Viotti dirigierte. zur Rezension

  • Così fan tutte

    Ende Oktober 1994 ereignete sich im Theater an der Wien eine Premiere, die bald als Legende galt: Riccardo Muti dirigierte Mozarts dritte Da-Ponte-Oper als Staatsopern-Produktion im kleinen Haus. Das wurde zur Signal-Produktion für den Wunsch, das damals als Musical-Haus geführte Theater an der Wien künftig doch wieder für die Oper zu nutzen. zur Rezension vom…

  • Welser-Möst mit LPO

    Der zornige Bruckner Franz Möst mit London Philharmonic Es gibt Schlußjubel und Schlußjubel. Der eine, vorher berechenbar, gilt Publikumslieblingen, gleich, was sie tun. Der andere, spontan, bricht aus, wenn ein musikalisches Ereignis die Zuhörerschaft unmittelbar ins Mark trifft. Letzterer ist der ehrlichere und war nach längerer Zeit am Pfingstmontag abend im Konzerthaus zu erleben, sobald…

  • Richter in Wien

    Recht ägyptisch: Svjatoslav Richter im Konzerthaus „Das ist, wie wenn der Niki Lauda mit einem Trabi fährt“, kommentierte mein Sitznachbar das laut umjubelte nächtliche Ereignis im Konzerthaus. Er ist Pianist, er muß es wissen. Ich bin zwar nur Kritiker, aber ich gebe ihm recht. Nach Jahrzehnten kam der große Svjatoslav Richter wieder einmal in einen…

  • Im weißen Rößl

    Über den Wogen entfesselter Blödheit Die Volksoper zeigt das „Weiße Rößl“, wie es wirklich ist: einfach zum Lachen In die Volksoper ging ich an diesem Samstag – hochkarätiger Konkurrenz zum Trotz – weil mir nicht egal ist, wie an diesem Haus Operette gespielt wird. Obwohl mir hätte klar sein müssen, daß „Das weiße Rößl“ höchstens…

  • Bashkirov

    Höchste Tastkunst Dimitri Baschkirov im Musikverein Ein Konzert außerhalb der Abonnementzyklen, im „Frühlingsfestival“ des Musikvereins, mit einem hierzulande fast schon „vergessenen“ Pianisten – und doch ein voller Brahmssaal. Das spricht für Neugier bei den jüngeren, gutes Erinnerungsvermögen bei den älteren Musikfreunden. Und es bescherte allen einen hinreißenden Klavierabend: Dimitri Baschkirov spielte Mozart, Liszt, Chopin und…

  • Maxim Vengerov

    Jungstar, überschwemmt Maxim Vengerov spielte gegen das Mahler-Orchester Zwei Zugaben gönnte der junge russische Geiger Maxim Wengerov sich und seinem Publikum anläßlich seines Auftritts im Musikverein am Montag. Das war gut so, denn auf diese Weise war garantiert, daß man doch noch hören konnte, zu welchen geigerischen Höhen sich dieser Künstler aufzuschwingen vermag. Ysayes dritte…

  • Enescu in Wien

    Spätzündung mit Dauerfolgen Enescos „Oedipe“ im Jugendstiltheater Sage keiner, die Plattenfirmen hätten keine Macht. Gerard Mortier hat es in Salzburg längst eingesehen. Junge Wiener Operntruppen nehmen sich an bestimmten Aktivitäten der Konzerne sogar ein Beispiel. Das belebt die Szene. Daß am Donnerstag abend, mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Uraufführung, die Ödipus-Vertonung des –…

  • Mozart-Repertoire

    Der Mozart-Stil und die Schlaraffen-Oper „Figaros Hochzeit“ – Ein Nachschlag Als wär’s ein Nachschlag zu unseren Opern-Betrachtungen im Dienstagblatt, präsentierte die Staatsoper eine Aufführung von Mozarts „Figaro“, die wohl alle staunen machte, die sie erleben durften. Steckt das Genre Oper in der Krise? Haben wir keine tauglichen Mozartdirigenten mehr, die das Erbe der Böhm, Krips,…