Beethoven nach Wiener Art
Johannes Wildner, einst Wiener Philharmoniker, dirigierte erstmals die Symphoniker im Musikverein und bewies, daß die Wiener Beethoven-Tradition noch nicht ausgestorben ist.
Man kann komponieren, „wie die Kuh Milch gibt“. Das verbürgt Richard Strauss, der damit ein singuläres Bonmot in Sachen musikalischer Natürlichkeit fabriziert hat. Man kann aber auch Musik machen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Und das ist etwas, was in den letzten Jahrzehnten auch in jener Stadt, in der man das lange unvergleichlich geübt hat, beinahe vergessen scheint. Virtuose Brillanz auf der einen Seite, manieristisches Interpretengehabe auf der andern vernebeln seit langem den Blick auf das, was man früher einmal das Selbstverständliche genannt hat.
Jetzt kam mit Johannes Wildner ein im Ausland erfolgreicher österreichischer Dirigent, der seine Karriere als philharmonischer Geiger begonnen hat, nach Wien zurück. Wenn man von seinem Auftritt mit den Symphonikern im Musikverein auf das schließen darf, was er jenseits unserer Grenzen tut, dann ist er ein Botschafter für jene wienerische Musizierkultur, die hierzulande kaum mehr zu erleben ist. Eine so natürlich musizierte, richtig geatmete Wiedergabe der Siebenten Beethoven habe ich jedenfalls lang nicht mehr gehört.
Nichts wirkte aufgesetzt, die rhythmische Brillanz, die formale Balance, sie stellten sich ein, weil die Symphoniker offenbar ungehindert, nur richtig animiert, aufspielen durften. Dergleichen gilt in Zeiten der „besonderen Sichtweisen” wohl schon wieder als gefährlich, woraus man schließen darf, daß die heimischen Veranstalter Johannes Wildner, der solches ermöglicht, bestimmt wieder für lange Zeit ignorieren werden.
Daß es zuvor eine Begegnung mit dem hierzulande selten gespielten, hübsch gedrechselten spätromantischen Violinkonzert von Alexey Machiavariani gab, verdanken wir dem Engagement der jungen Geigerin Isabelle Meskhishvili, die sich das Werk ihres Landsmanns gewünscht hat und damit leidlich reüssierte.